"RUFMORD, hier EREMIT, wir haben Lockenpracht, wir haben Lockenpracht, kommen."

Aktualisiert: 16. März 2019



Im Rahmen der jährlichen Gefechtsübung stellte das III./ die im Mai zusammen mit der Ausbildungsstaffel des Regiments ausgebildeten Fähigkeiten zum Thema "Kampf und Einsatz in urbanem Umfeld (Lw)" unter Beweis. In einer insgesamt 18 Stunden andauernden Lage führten drei Gruppen Spähtrupps zu Fuß zur Aufklärung, Marsch sowie im Schwerpunkt das systematische und dynamische Vorgehen (Zugrahmen) in Gebäuden durch. Krönender Abschluss war das Ausweichen aus der vorläufigen Sicherung eines genommenen Gebäudes unter simuliertem, feindlichen Mörserfeuer sowie der nahtlose Übergang zum Gegenstoß. Trotz kurzer Nacht und fordernder Lage überzeugten die eingesetzten Teile mit Motivation und Auftragswille.

"Die Lage ist ernst", eröffnete Leutnant B. den Reservisten des III./.

"Feindliche luftbewegliche Infanterie ist in unbekannter Stärke im Raum WILHELMSHAVEN-WITTMUND-JEVER gelandet. Vermutete Absicht des Feindes ist es, empfindliche militärische Infrastruktur der Bundeswehr zu lähmen.

Auftrag der 8. Staffel des Objektschutzregiments ist es, den Flugplatz JEVER gegen äußere Bedrohung zu sichern, für den Flugbetrieb empfindliche Punkte, Personal und Gerät zu schützen sowie Informationsgewinnung zur Absicht des Feindes durch Aufklärung durchzuführen."


Keine halbe Stunde später befanden sich der eingeteilte Zugführer, sein Stellvertreter, sowie der Gruppenführer der ersten Gruppe bei der Befehlsausgabe des Staffelchefs. Durchzuführen waren zunächst ein Spähtrupp zur Aufklärung von Handwaffenwirksamkeit auf spezifische empfindliche Punkte, die Erkundung eines geeigneten Zuggefechtsstandes sowie die Verbindungsaufnahme zu eigenen Kräften. Schnell mussten die eingesetzten Teile jedoch feststellen, dass feindliche Kräfte bereits in den Flugplatz eingedrungen waren:

"RUFMORD, hier EREMIT, wir haben Lockenpracht, wir haben Lockenpracht, kommen", meldete die übergeordnete Führung im Funkkreis, nachdem eine vermisste Luftwaffenpionierin verwundet in einem Bunker gefunden wurde. Das war der Deckname für eine bestätigte Intruder-Lage im eigenen Sicherungsbereich. Kurze Zeit später klärte eine andere Gruppe nicht nur einen feindlichen Spähtrupp nahe eines empfindlichen Punktes auf, sondern konnte darüber hinaus verschleierte feindliche Dokumente bergen. Zusätzlich gelang es eigenen Teilen unbeschadet eine feindliche, mit Vorkehrungen gesicherte Funkstöreinrichtung zu lähmen.

Weil sich der Feind zwischenzeitlich in einem Gebäude am Rande des Flugplatzes gesammelt hatte und im Besitz kritischer technischer Ausstattung für die Wiederaufnahme des NATO-Flugbetriebs war, entschied sich die eigene Führung zum Angriff.

Im Morgengrauen verlegten Teile als Vorkommando in den Einsatzraum, setzen Augen am Feind ein und bereiteten die Aufnahme der nachrückenden eigenen Kräfte in die vorläufige Sicherung vor. Nachdem der gesamte Zug den Zuggefechtsstand gewonnen hatte, ließ der Zugführer während des kleinen Erkundungskommandos zum Stoßtrupp umgliedern. Nach der Befehlsausgabe erfolgte die Annäherung. Weil eigene Kräfte dabei unter Beschuss gerieten, erfolgte ein dynamischer Einbruch sowie die zielgerichtete Bergung der empfindlichen, eigenen Infrastruktur. Einem massiven Gegenstoß des Feindes, begleitet durch Mörserfeuer, wichen eigene Kräfte aus, um selbst, nach Stellung feindlicher Steilfeuerwaffen durch die hinzugezogene QRF, zum Gegenstoß anzusetzen und den Feind erfolgreich zu werfen.


"Das, was ich heute gesehen habe, gefiel mir wirklich gut", läutete Oberleutnant D. die Nachbesprechung der Übung ein. "Man sieht, dass sich bei den Kameraden, die die Vorausbildung im Mai mitgemacht haben, das neue Vorgehen so langsam einspielt - aber auch bei den Kameraden, die wir gestern noch im Theorieunterricht und am Tape-Drill nachgeschult haben, zeigen sich deutliche Lernkurven hinsichtlich Entfaltungsform, Kommandos und der allgemeinen Schnelligkeit."

Dennoch blieb für die Ausbilder und Schiedsrichter Verbesserungspotential. Hauptmann S. verwies auf die Wichtigkeit der Feuerüberwachung durch die abriegelnden Kräfte bei ununterbrochener Annäherung der stürmenden Teile. Leutnant B. unterstrich die Notwendigkeit der eigenen Sicherung auch während des Angriffs und das zügige Ausweichen bei Wahrung taktischer Grundsätze wie dem des Auflockerns.

Alles in allem verlief aber die Übung zufriedenstellend, resümierte OTL d. R. K., stellvertretender Regimentskommandeur (Spiegeldienstposten), nicht ohne die hervorragende Motivation der Truppe zu loben: "Dass manche von Ihnen 800 Kilometer auf sich nehmen, um sich mit zwei bis drei Stunden Schlaf begnügend durch Gebäude scheuchen zu lassen und danach noch zu lächeln, ist bewundernswert. Dafür haben Sie meine höchste Anerkennung."


Nach erfolgter Umstellung von Breiten- auf Tiefenausbildung unter dem neuen Bataillonskommandeur, OTL d. R. Lange, zieht das seit Mai 2018 hierfür verantwortliche Ausbilder-Dreigestirn S.-D.-B. zusammen mit den Teilnehmern ein positives Fazit. "Wir stellen fest, dass sich die Ausbildungsinhalte viel besser festsetzen und das motiviert die Kameraden ungemein mehr", so Hauptmann S., "Unseren letzten Jahrestermin nutzen wir deshalb ebenfalls für das Abstellen von Mängeln, die in der Übung augenscheinlich wurden. Darüber hinaus wollen wir die Kameraden aber auch schon mal anbrüten für das Schwerpunktthema, das nächstes Jahr ansteht: Sicherung".


(AB)